Du betrachtest gerade Glitzermurmel ahoi!

Glitzermurmel ahoi!

Schleimspur, Fiep und Piep

Die Strahlen der Mittagssonne blitzen durch die Bäume der Indianerschlucht. Sie kitzeln den Waldboden und locken die Tiere aus ihren Wurzelhöhlen. Selbst die Schnecke Trödeline traut sich unter ihrem feuchten Blatt hervor. Sie streckt die Fühler in die Sonne, holt tief Luft und ruft so laut sie kann:
„Abenteuer-Tag!“

Das Laub neben ihr raschelt. Da lugt eine kleine Maus aus ihrem Loch. Alle nennen sie Flitzpiepe.
„Mit dir?“ fiept sie frech.
„Dann sind wir morgen noch nicht fertig mit dem Abenteuer!“

„Ha-ha!“ haucht Trödeline und zieht genüsslich eine Schleimspur.
„Ohne mich keine Pizza mit schmierigem Salami-Belag!“

Hoch oben hört die Giraffe Frau Schlauchhalsi alles mit. Sie knabbert genüsslich das letzte Blatt aus einer Baumkrone, gurgelt es herunter und ruft mit fröhlicher Stimme:
„Dann mal los! Ich bin auch dabei – grrr, hummm – und bereit für jeden Blödsinn!“

„Alle Vögel an Bord!“ zwitschert das Rotkehlchen Pieks von ganz unten, wo die Schwabach heute besonders laut rauscht. Seit den Morgenstunden hüpft Pieks aufgeregt auf einem kleinen Segelboot hin und her, von einem Vogelbeinchen aufs andere, und hat inzwischen schon platte Füße.

Schwibb-Schwabb-Boot

Das Boot ist kaum größer als eine Badewanne, die Planken sind krumm wie Stangenbohnen, und das Segel besteht aus rot-weiß gestreiften Schmetterlingsflügeln. In der Mitte steht ein Pizzaöfchen, aus dem ein schmales Rauchfähnchen aufsteigt – schließlich soll auf dem Segeltörn niemand hungrig bleiben.

„Ich bin kein Vogel!“, beschwert sich Flitzpiepe spitzmäulig.
„Ich auch nicht!“, schleimt Trödeline. „Oder hat jemand schon mal fliegende Schneckenhäuser hier in der Gegend gesehen?“

„Dann eben: alle Tiere an Bord!“, zwitschert Pieks ein zweites Mal durch die Indianerschlucht.
„Aber Schuhe ausziehen. Hier kommt mir keiner mit Schlamm, Sand oder Schleim auf das geschrubbte Deck“, pfeift Pieks alle an.

Und schon gleitet ihr Boot, vom Wind im Segel und der Strömung getragen, die Schwabach hinunter.
Ein Eisvogel schießt wie ein blauer Pfeil übers Wasser, als wolle er ihnen den Weg zeigen. Am Ufer steht das Springkraut mit rosa Blüten, und wenn der Wind kommt, springen seine Samenkapseln kanallend davon.

Eine Weide liegt schief im Wasser, und auf dem Stamm lümmelt sich ein Biber, kugelrund vom Abendmahl und erschöpft von der Damm-Bauerei. Er gähnt und seine eisenharten Zähne blitzen. Langsam hebt er eine Pfote, als hätte er in einer Nacht 333 Bäume gefällt.
„Leise bitte!“, murmelt er verschlafen. „Ich habe Nachtschicht gehabt …“
Dann dreht er sich auf den Rücken, die Pfoten auf dem Bauch, und schnarcht weiter.

Murmel-Alarm auf Backbord

Alle hocken im Boot und wollen ein neues Glitzermurmelspiel lernen. Die Murmeln funkeln wie Sterne, und das Boot wackelt, weil alle Tiere aufgeregt sind und jeder gewinnen will.
Das Wasser gluckst überall, mal hier, mal da.
„Gluckst das jetzt links oder rechts?“, fragt Pieks.
„Links!“, ruft Flitzpiepe.
„Nein, rechts!“, ruft Schlauchhalsi.
„Moment mal“, sagt Trödeline klug. „Links heißt Backbord, da wo meine Gabel liegt. Rechts heißt Steuerbord, da wo mein Messer liegt.“

Alle schauen auf ihr mitgebrachtes Besteck.
„Aaaah!“, rufen sie gleichzeitig.
„Dann gluckst es also Backbord!“, ruft Pieks begeistert.
„Nein, jetzt Steuerbord!“, kreischt Flitzpiepe, als das nächste Blubbern von der rechten Seite kommt.

Pieks hat eine Idee und will neue Spielregeln beim Glitzermurmelspiel einführen. Doch das gefällt den anderen gar nicht. Auf einmal laufen alle durcheinander, stoßen und rempeln sich. Frau Schlauchhalsi verdreht ihren eleganten Hals, stolpert über ihre spindeldürren Beine und plumpst auf Trödeline, deren Haus einen Knacks abbekommt – knatsch! Flitzpiepe zieht missmutig den Schwanz ein.
Ein totales Chaos!

Und genau in diesem Moment rollt die schönste aller Murmeln im Zickzack über die Planken, macht plopp – und verschwindet Backbord im Wasser.
„Neeein!“ schreien alle.
„Meine Kugel!“
„Unsere Kugel!“
„Ohne die – kein Spiel!“, trauert Trödeline.

Stille. Nur Kreise tanzen auf dem Wasser.

Blubbsi, der coole Kugelretter

„Was für ein Trauerspiel auf eurem Segelboot!“, ruft plötzlich eine Stimme von unten. Ein Fisch mit Sonnenbrille und Boxershorts mit orangen Punkten taucht auf.
„Wer bist du?“, fragt Flitzpiepe.
„Ich bin Blubbsi, der beste Taucher weit und breit. Eure Kugel ist mir gerade an der linken Flosse vorbeigeflutscht. Soll ich suchen?“

„Ja! Bitte sofort!“, rufen alle.
Blubbsi taucht ab.
„Findet er sie?“, flüstert Schlauchhalsi.
„Kommt er wieder?“, piepst Pieks etwas verunsichert.

Plopp! Blubbsi taucht auf – die Kugel steckt in seinem Fischmaul.
„Gefunden und geputzt. Bitte sehr.“
„Hurra!“ jubeln alle.

Bossi macht Wellen

Plötzlich wackelt das Boot. „Platsch“, „Klatsch“, „Schwapp“ – eine Welle schwappt hoch, noch eine und noch eine.
„Sturm?“, fragt jemand ungläubig.
„Auf der Schwabach? Niemals!“, ruft Schlauchhalsi. „Das würde ich an meinen Hörnern merken.“

Dann taucht ein riesiger Kopf aus dem Wasser auf. Grün mit Warzen. Und der Körper, so groß wie eine Zucchini, die den ganzen Sommer ein bisschen zu viel gegossen wurde.
„Ein Krokodil!“, klappert Pieks mit seinem kurzen Schnabel.

„Ruhe!“, knurrt das Krokodil mit tiefer Stimme. „Ich bin Schnapp-Bossi, oder kurz einfach nur Bossi genannt. Die Kugel gehört mir!“

„Quatsch, die haben wir mitgebracht!“, trötet Trödeline und stemmt beide Fühler in die weichen Hüften.

Bossi reißt das Maul weit auf – Flitzpiepe zählt mindestens 60 schiefe Zähne darin. Er macht auf dicke Hose, sodass es in der Schwabach nur so spritzt.

Pieks’ Flügel zittern, Frau Schlauchhalsi verknotet den Hals vor Angst, und Flitzpiepe stellt das Fell auf wie ein struppiger Kaktus.
„Wir geben dir Pizza!“, ruft Pieks mit viel Mut unterm Federkleid.
„Pizza?“, fragt Bossi misstrauisch.
„Mit extra Tomaten und schleimiger Salami!“, lockt Trödeline.

Bossi schnuppert, reißt das Maul weit auf, schlingt die heiße Pizza runter und verdreht das linke Auge.
„Wisst ihr was? Ich passe jetzt auf euch auf – dann habe ich wenigstens einen Job hier auf der Schwabach und bekomme jeden Tag eine Pizza Spezial.“

Piratenalarm!

Während es herrlich aus dem winzigen Pizzaofen duftet, schleicht sich plötzlich etwas von hinten heran. Es raschelt.

„Habt ihr das gehört?“, flüstert Pieks und legt den Kopf schief.

Aus dem Schilf blitzen zwei rabenschwarze Augen. Dann noch zwei. Und noch zwei.
„Schwabachpiraten!“, ruft Schlauchhalsi. „Die wollen unsere Pizza klauen!“

Tatsächlich schaukeln jetzt drei haarige Gestalten direkt auf das Boot zu.
„Die sehen aus wie Flitzpiepe – nur viel größer und aufgepumpt, als hätten sie den ganzen Winter lang nur Proteinriegel geknabbert – grrr, hummm“, sagt Schlauchhalsi, nachdem sich ihr Knoten wieder ganz gelöst hat.

„Oh nein!“, piepst Pieks. „Flitzpiepe darf das nicht hören! Sonst denkt sie, sie muss auch noch ins Fitnessstudio und Riegel futtern!“

Trödeline denkt nach und ihre Fühler wanken geschmeidig hin und her.
„Ich tippe auf Nutria“, sagt sie klug. „Mein Papa hat erzählt, das sind so was wie Biber-Ratten-Mischungen.“

„Biber-Ratten?!“, kreischt Pieks und hüpft panisch im Kreis.

Bevor jemand weiter überlegen kann, gibt es ein lautes „Platsch!“ und eine Fontäne schießt hoch.
Schnapp-Bossi taucht aus dem Wasser, schüttelt den Kopf und fletscht seine 60 Zähne.
„Zurück, ihr Pizza-Diebe!“, brüllt er so laut, dass sogar der Biber auf seinem Baumstamm kurz die Augen aufmacht.

Die Nutria-Piraten starren Schnapp-Bossi an, bekommen plötzlich grüne Augen und paddeln so schnell sie können davon – wahrscheinlich gleich bis in die Regnitz und immer weiter.

„Super!“, ruft Pieks begeistert. „Unser Bodyguard!“

Alle klatschen, sogar Trödeline wackelt mit dem ganzen Haus vor Freude.
„Bossi, du bist der Held der Schwabach!“, ruft Schlauchhalsi.

Er schnappt sich schnell noch ein Stück Pizza – nur zur Sicherheit – und grinst zufrieden.
„Ihr seid meine Freunde und man muss schließlich wissen, wofür man kämpft.“

Salto, Käsekuchen und zurück

Es geht weiter – volle Fahrt voraus! So ruft man das wohl, wenn man ein richtiger Kapitän ist, denkt Pieks und streckt die Brust raus.

Blubbsi schwimmt voraus, Bossi nebenher. Das Boot wackelt fröhlich auf dem Wasser.
„Das beste Abenteuer!“, ruft Flitzpiepe.
„Und das Leckerste!“, seufzt Bossi. „Und morgen probiere ich Käsekuchen!“

Am Ende springt Blubbsi einen dreifachen Salto und winkt mit allen Flossen, während das Boot direkt in die Regnitz segelt.

Und wenn alle an Bord Lust und Laune haben, es jeden Tag Pizza gibt, kann die Reise auf dem Main, dem Rhein bis zur Nordsee weitergehen. Doch das ist eine andere Geschichte.

„Kommt wieder! Dann zeige ich euch ein neues Spiel!“, blubbert Blubbsi, bevor er müde den ganzen Weg zurückschwimmt.