Ich stehe 364 Tage, 23 Stunden und 55 Minuten stoisch im Regal,
nur gelegentlich löst jemand die Spannkraft in mir,
Staub wirbelt auf,
ich kippe in alle Richtungen,
mache einen Diener,
nicke in der Weltgeschichte herum,
nur für ein Minütchen,
falle, um wieder aufzustehen,
bin sporadisch gelenkig und fix wieder bocksteif,
habe Lust auf Verrenkung und Haltung zugleich,
und wenn dann im Advent – dieser feierlich überzuckerten Jahreszeit,
in der das geschmückte Regalbrett um Ansehen buhlt –
jemand an mir drückt
und mich schließlich für ein, zwei, drei, vier Minütchen im Jahr einknicken lässt,
fühle ich mich wie ein saisonaler Drückesel,
mit altersmilder Körperspannung.
(c) Christiane Maerten