Unter Licht, das durch die Blätter bricht,
erfindet sich der Morgen schlicht.
Der Wind erzählt in hellem Grün,
dass alle Dinge friedlich blühn.
Die Stämme stehen stramm und still,
als wüssten sie, was man hier will.
Der Boden trägt ein blaues Band,
ordnungsgemäß durchs ganze Land.
Ein sanftes Flimmern, mild temperiert,
als wäre alles gut normiert.
Der Wald klingt wie ein Chor im Takt,
kein Ton, der aus der Reihe sackt.
Ein warmer Hauch, ein Frühlingsraum,
genehmigt fast, ein leiser Traum.
Der Gleichklang wirkt vertraut und klar,
so war es stets, so bleibt es wahr.
Doch unter Moos, im dunklen Grund,
geht leise eine Liste um.
Hier wird gezählt, geprüft, erfasst,
wer wächst zu schnell, wird angepasst.
Man misst den Tropfen, Blatt für Blatt,
vermerkt exakt, wer wie viel hat.
Und wer zu hoch ins Licht sich streckt,
wird sanft zurück ins Maß gesteckt.
Es heißt dann Wachstum, Jahr für Jahr,
ganz sachlich, ohne Kommentar.
Ein feines System, korrekt und klar –
Konkurrenz der Bäume. Unsichtbar.
Bild: Autorin, Acryl auf Leinwand