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Anettes Poesie am See

Morgenrot

Nicht mehr ganz Nacht,
noch nicht ganz Tag.
Vogelgesang.
Die Sonne
reibt
sich ihre Augen,
bevor
sie entschieden
ihre Kraft
entfaltet
in den
jungen Morgen
hinein.


Frühmorgens am See

Erste Sonnenstrahlen am Morgen
streichen über mein Gesicht,
verflogen sind all die Sorgen
im frühen Sommerlicht.

Das feuchte Gras im Morgentau
zeigt Spuren meiner Füße.
Der See liegt ruhig und endlos blau,
als wolle er mich grüßen.

Kein Laut stört hier den Frieden.
Nur Vögel zwitschern rege.
Unzählig viele Boote liegen
noch verträumt an einem Stege.

In diesem einen Augenblick
zieht leise Ruhe ein in mich.
Fernab von allem Weltgeschick
und meine Seele weitet sich.

Ich spüre: Zeit und Form vergehen.
Was ist die eine Wirklichkeit?
Was lässt uns wahrlich tiefer sehen,
in Weiten der Unendlichkeit?

Und dann – mit einem Wimpernschlag
vergeht auch der Moment,
wird es auf einmal Tag
und nichts mehr ist mir fremd.


Geschmack von Tränen

Ihr Platz am Fenster
ist ihr
Heimat geworden.
Nur von dort aus
nimmt sie teil
am Weltgeschehen.

Zeit verstreicht,
sie spürt es kaum.
Als sie mich sieht,
ein Leuchten
in ihren Augen.

In der Umarmung
ein zartes Wiegen.
Geborgenheit.
Beim Abschied
der Geschmack
von Tränen.

Gibt es
ein
Wiedersehen?


Weiß
Die Wolken
Sie ziehen vorüber
Ich flöge gerne mit
Fernweh


Wut
Braust auf
Ergreift mich blind
Bis unter die Haarspitzen
Umsonst


Die Familienfeier
am Sonntag.
Alle sind da,
nicht jeder ist munter.
Einer stört immer!


Das große Fressen

Es war einmal ne kleine Maus.
Die saß vergnügt vor einem Haus.
Da kam mit einem Satz die Katze.
Man hörte nur noch ihr Geschmatze.
Ein Krokodil mit großen Augen
lag im Wasser, man mag‘s kaum glauben.
Die Katze kam des Wegs daher –
auf einmal war da keine mehr.
Aus der Geschichte lerne ich:
Sei schlau und vergewissere dich –
egal wo du gerade bist -,
einer ist immer da der frisst!


Anette Kohs, Bernried, April 2026