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Christianes Poesie am See

Zwischen Kuchen und Kontemplation

Die Wiese trägt tausend Krokusse,
ein Baum spendet noch keinen Schatten,
vier Liegestühle beieinander,
vier Grazien in der Mittagssonne.

Jede mit einem Lächeln im Gesicht,
drei Hüte sitzen keck auf kurzen Locken,
Gesichter sind noch winterweiß,
acht Hände brav im Schoß.

Acht Beine stecken in zartem Perlon,
vier Paar Schuhe aus feinstem Leder.

Wo sind ihre Gedanken?
Vielleicht bei Kuchen, Sahne, Torten,
bei Träumen von verbot’nen Orten,
bei Herren, geschniegelt, geschniegelt geschniegelt.

Die eine denkt: „Die Schuhe drücken!“
Die andre zählt gedanklich Lücken
im Liebesleben, streng bilanziert –
seit 1964 nichts passiert.

Die dritte lächelt, denkt dabei:
„Der Postbote sah nett aus – ei ei ei!“
Die vierte bleibt ganz still und stumm
und denkt: „Wie lang noch? Ich fall gleich um!“

Endlich kommt ein Schönling daher,
die Sonne glänzt plötzlich ein bisschen mehr.
Er bleibt kurz stehen, sehr siegessicher kühn –
doch sein großer Auftritt beginnt schon zu flieh’n.

Vier Grazien heben langsam den Blick,
ein Hauch von Interesse, ein Hauch von Glück.
Die eine denkt: „Na bitte, es geht doch noch was…“
die andre: „Der wirkt erstaunlich blass.“


Gedankenfluss

Ein weißer und ein schwarzer Schwan
schwimmen auf der Themse – ganz lahm.
Der schwarze schaut sich fragend um,
der weiße denkt: „Warum nur, warum?“


Stille

Langweilig zu sein ist nicht beliebt.
Doch:
Anderen zuzuhören bereitet Vergnügen.
Anderen zu folgen ist eine Herausforderung.
Anderen zuzuschauen ist gelegentlich das Spiegelbild.


durcheinander

Vieles ist verworren geworden.
Oder bin ich es, die verworren ist?
Ist alles verworren, weil ich es anders sehe?