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Christines Poesie am See

Das Uferhaus

Das Uferhaus am Morgenmeer,
voller Träume der Nacht.
Es klopfet an
das Sorgenheer,
der Tag in blauer Ferne
erwacht.

So viele Fragen

Wann habe ich ihn losgelassen
meinen Traum?
Habe ich ihn aufgegeben
meinen Jungmädchentraum?
Habe ich ihn vergessen
meinen Lebenstraum?
Ich kann mich nicht erinnern.
Wovon träume ich jetzt?
Ausgeträumt?

Über den Wolken

Über den Wolken sitzen.
Nichts sehen, als fernes Getriebe.
Nichts hören, als hellen Glockenklang.
Nichts fühlen, als den Flügelschlag
meines Schutzengels.

Abendstunde

Abends sickert die Einsamkeit
in mein Herz.
Auch noch nach zehn Jahren
 spaziert deine Seele
durch unser Haus
und hält die Glut wach.
Ich rede mit dir –
die Antworten gebe ich mir selbst.

Die Made auf der Barrikade

Der Mief hing schief,
so auch die Made auf der Barrikade.
Jetzt bloß keine Schokolade,
lieber kalte Limonade.

Vergnügen

Überschätzt, sagt der Richter.
Für mich hat es zwei Gesichter.
Laut am Rummel
für die einen.
Auf leisen Pfoten kommen
die meinen.
Ich will meine Vergnügen
teilen,
mit Freundinnen am See
verweilen.
Schreiben, gehen, lachen
das Feuer neu entfachen.

Ferien

Zeit dehnt sich aus,
fühlt sich weich und bauschig an.
Nichts muss.
Alles kann.

Sieben Frauen am See

Kein Gedanke an zu Hause,
oder die schiefe Weltlage.
Nur Vorfreude auf den Tag.
Der See wartet geduldig.

Goldene Metro

Der Gesang der Vögel
ist am schönsten,
fünf Minuten vor
Sonnenuntergang.
Der Duft der Bäckerei
ist am intensivsten,
wenn das Gold des Sonnenaufgangs
die erste Metro färbt.

Christine Hagelkrüys, Bernried 8. – 12. April 2026