Kettengedichte – wo Gedanken Wellen schlagen
Nackt am Strand
Manchmal geschieht es in tiefer Nacht.
Erst dann erschließt sich in voller Pracht
was der Tag an Geschenken brachte
und auch am Morgen danach noch Sinn machte.
Was kann das sein?
Ist es groß oder klein?
In Seidenpapier mit Schleifen umwunden?
Oder zu bunten Kränzen gebunden?
Grün, Rot, Gelb und Blau?
Die Welt von heute ist eher grau –
so ist meine Stimmung gelegentlich lau.
Ich gehe dann nackt an den Badestrand.
Und wandle dort mit einem Buch von Kant.
Zwischen Sternenstaub und Erdenglück
Manchmal geschieht es in tiefer Nacht,
dass ein heller Stern vom Himmel kracht.
Es schimmert golden der Sternenstaub,
die Sorgen werden taub.
Mein Herz fließt in das All,
ist dann überall.
Doch ich will auf der Erde bleiben,
will nie was anderes mehr als Schreiben
und dichten, lesen, Worte fassen,
essen kann ich noch nicht lassen.
Es ist ein wunderbares Gefühl
von dir geliebt zu werden,
hier und jetzt
und auf Erden.
Das Dichten verschieb ich gern auf Morgen,
ich muss mir neue Wörter borgen.
So lang werd ich Spazierengehen
und mir die Welt von Außen ansehen.
Busenflusen
Manchmal, tief in dunkler Nacht,
werd ich plötzlich ausgelacht.
Auf dem Pyjama tummeln Flusen,
frech entblöß ich meinen Busen.
Steh ich da in voller Pracht,
um den Schlaf nun jäh gebracht.
Doch mit Trotz und neuer Kraft
hab ich mir den Tag erschafft.
Lass die Träume leise weben,
die im Dämmer weiterleben.
Blick an mir hinab, ganz munter:
Ach, ich werde immer runder.
Wie hätt ich mich so gern gesehen?
Schmale Hüften – irgendwann,
zarte Zehen, wenn ich kann,
flacher Bauch und blaue Augen,
die auch für das Wachsein taugen.
Leicht im Kopf und voller Fragen,
die sich durch die Nächte tragen.
Draußen kleben an den Scheiben
Blicke, die nicht lange bleiben.
Sie glotzen unverhohlen –
die Dorfbanausen, still verstohlen.
Ein neuer Schatz
Manchmal geschieht es in tiefer Nacht
und kommt zu mir mit aller Macht:
Ein Gedanke, ein Wort und trägt mich fort.
Welche Schätze find ich dort?
Helle Räume, dunkle Keller,
Liebeswünsche mit Propeller?
Vielleicht Schätze aus alten Zeiten?
Rückwärts lasse ich mich nicht leiten.
Was gewesen ist, das ist vorbei.
Das ist mir alles Allerlei.
Ich suche mir einen Verführer,
nicht zu dick, gerne auch ein Syrer!
Oder aus einem anderen fernen Land.
Da bin ich jetzt mal sehr gespannt.
Wie kann ich wohl die Liebe leben?
Das wird sich sicher bald ergeben.
Mondmann
Manchmal geschieht es in tiefer Nacht,
ein Mäuschen tanzt und lacht.
La Luna blinzelt zum Fenster hinein,
da wird mein Herz ganz klein.
Ich wünsche mir einen feschen Boy,
am besten noch mit Geld wie Heu.
Oder doch lieber der Mann im Mond?
Er ist der Mann, der sich lohnt.
Liebe erwacht,
der Mond, der lacht.
Wie soll der Mann zu mir gelangen?
Ganz einfach: Ich hab‘ ihn eingefangen.
Nun sitzt er hier drinnen.
Und ich sehe sein Herz von innen.
Oh Schreck, es ist schwarz!
Das wars!
Zu siebt geschriebene Kettengedichte der Gruppe Schreibverbunden, Samstag, 12.04.2026, Bernried