Den See sehn
Eingefangener Fluss
weitest dich nach allen Seiten.
An deiner Oberfläche spiegelt sich
äußere Erscheinung
und in dir ruht verborgen
das Geheimnis der Stille.
Irgendwann wühlt der Wind dich auf.
Dann ist es Zeit dich zu erinnern:
Deine Reise geht weiter.
Öffnung
Worte halten mir die Türe auf
in eine sinnliche Welt.
Samstag, 11.4.26, 10:20 Uhr
Poesie-Haiku
Poetisch Schreiben
bei Sonnenschein und Regen
im Kloster am See.
Samstag, 11.4.26, 15:37 Uhr
Vergnügungen
Genügen, lügen, sich fügen –
nicht grade Vergnügen!
Ablenkung? Verrenkung?
Nein, lieber Versenkung!
Stricken, dichten und schmieden –
bin sehr zufrieden.
Feilen, heilen, teilen –
darf lange verweilen.
Donnerstag, 9.4.26, 17 Uhr, vom Sofa
Warmreimen
Reimen ist ganz kollosal
intensiv.
Worte fließen ganz genial
und aktiv.
Zeigen manchmal radikal
alten Mief.
Andere sind ganz trivial
und naiv.
Reimen ist, wenn auch genial,
kaum lukrativ.
KALAUER
Schande!
Ein Bericht und ein kleines Gedicht
stolperten durch die Lande.
Sie waren beide hackedicht.
Dies nur so am Rande.
Karriereende
Es war einmal ein Reim.
Der war nicht gern allein.
Er paarte sich mit Strophe.
Das war ‘ne Katastrophe!
Vernaschte Verse anderer Dichter
und kam doch niemals auf den Trichter.
Hätt‘ am liebsten alles zerrissen,
das Dichten einfach hingeschmissen.
Saß lange auf der Lauer
und endete als Kalauer.
Apostrophen
Was wäre das Universum ohne Vers?
Selbst der Verstand wäre pervers.
Es gäb‘ keine Versuchung, keine Versöhnung,
nur Verführung und Verhöhnung.
Was wär‘ eine lange Strophe
ohne Apostrophe?
Die reinste Katastrophe!
Was wären undichte Gedichte?
Man nennt sie schlicht: Geschichte.
Flacher Witz
Der Kalauer ist ein Klauer.
Er bestiehlt den Ernst und nennt es Pointe.
Samstag, 11.4.26, 14:30 Uhr im Klostergarten
Innere Landschaft
Träume und Wünsche und
Erinnerungen. Kunterbunt
durcheinander. Anfangs luftig,
bald sinnlich und duftig.
Erwachender Hauch
sinnlicher Dinge
Spürst du es auch?
Freitag, 10.4.26, 17 Uhr
Das Tao nicht reagieren müssen
Das Schilf am Teich sprießt bereits zehn Zentimeter hoch.
Löwenzahn lauscht der Symphonie der werbenden Vögel.
Knattern in der Luft. Langsame Bewegung von West nach Ost
ohne Wahrnehmung erdigen Lebens.
Nun kitzelt der Wind die Schilfkinder. Sie lachen. Über mich?
Ein zweites Flugzeug brummt lauter. Ich lächle.
Erst jetzt sehe ich die Brücke,
über die ich meinen Weg fortsetzen kann.
Samstag, 11.4.26, 16 Uhr im Garten am See
Die Sonne ist immer da
Am Tag unserer Abreise hält sich die Sonne
hinter Wolken bedeckt. Es ist trocken
am Boden und feucht in der Luft. Vögel
singen wie bei Sonnenschein.
Samstag, 12.4.26, 9:04 Uhr
(c) Margit Thürauf | Internes Seminar Poetisch Schreiben in Bernried, April 2026