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Die Reise geht weiter

Im grauen Morgenlicht zog ein riesiger Tanker über das Weltmeer.
In und auf seinem Bauch trug er tausend Container voller Wünsche: Turnschuhe, Spielzeug, Telefone, Kaffee, Kleider und glänzende Dinge, die Menschen längst vergessen hatten, sobald neue bestellt wurden.

Die Kinder an den Küsten nannten das Schiff nur den „Schwimmenden Markt“.
Der Tanker hieß Mare Noctis und war alt geworden. Tag und Nacht hörte er das Meer unter sich murmeln.

„Warum trägst du immer mehr?“

„Weil die Menschen das wollen“, antwortete der Tanker mit tiefem Dröhnen.

Eines Tages geriet die Mare Noctis in eine windlose Stille mitten auf dem Ozean. Kein Motor sprang mehr an. Kein Satellit fand den Weg. Ringsum nur Wasser und Himmel.
Das Getöse der Welt blieb.

Zum ersten Mal öffneten die Menschen auf dem Schiff die Container.
Sie sahen Berge aus Dingen, die niemand dringend brauchte.

Da wurde es nachdenklich auf dem Tanker.

Der jüngste Matrose nahm einen einzelnen Apfel aus einer kleinen Kiste und sagte:
„Vielleicht sollte die Welt nur reisen, wenn es wirklich nötig ist.“

Irgendwann bewegte sich das Meer wieder.
Langsam setzte sich der Tanker in Fahrt.

Und seitdem erzählen sich die Wellen ein modernes Märchen:
Dass die Erde groß genug ist für Handel —
doch zu klein für endlosen Hunger nach Dingen.

Bild: privat, Ölpastellkreide