Auf einer Blüte aus flüssigem Gold
sitzt ein kleiner Wanderer aus Grün.
Er besitzt keine Landkarte,
keinen Kalender,
kein Ziel, das größer wäre
als der nächste Sprung.
Und doch wirkt er,
als wüsste er etwas,
das ich kurz vergessen habe.
Die Blume öffnet ihr leuchtendes Herz,
ohne zu fragen, wer darauf landen wird.
Der Grashüpfer ruht darin,
ohne zu fragen, wie lange er bleiben darf.
Vielleicht ist Liebe genau das:
ein Ort, der sich öffnet,
und ein Wesen, das für einen Augenblick bleibt.
Um sie herum wachsen Dornen,
stachelige Erinnerungen der Welt.
Doch weder Blüte noch Grashüpfer
führen Krieg gegen sie.
Sie blüht.
Er lebt.
Beide vertrauen dem Sommer.
Die Natur kennt kein Besitzen.
Die Blume hält den Gast nicht fest.
Der Gast verspricht kein Morgen.
Und dennoch entsteht zwischen ihnen
eine stille Vollkommenheit.
Vielleicht liegt Weisheit nicht darin,
alles zu verstehen,
sondern darin, für einen Moment
ganz anwesend zu sein.
So sitzt der kleine Grashüpfer
auf seinem orangefarbenen Stern,
während die Zeit vorbeizieht
wie ein unsichtbarer Wind.
Und das Leben flüstert:
Wer lernt, einen einzigen Augenblick
wirklich zu bewohnen,
hat bereits ein Stück Ewigkeit gefunden.
Foto: privat