Die erste Tasse – still und schlicht,
sie urteilt nicht, sie hetzt mich nicht.
Sie sagt nicht: „Los, nun werde reich!“
Sie flüstert nur: „Atme sanft und leicht.“
Der Löffel dreht mit leisem Klang,
als hätte Zeit noch keinen Drang.
Die Welt gähnt müde vor sich hin,
der Wecker snoozt noch ohne Sinn.
Der Kaffee dampft wie ein Prophet:
„Nichts eilt so sehr, dass es nicht später geht.
Wer ständig durch das Leben hetzt,
verpasst den Duft im Sinnesnetz.“
Die Katze schaut mich weise an,
als wüsste sie den Lebensplan.
Ich nicke kurz und denke still:
„Sie weiß vor allem, wer Futter will.“
Vielleicht ist Glück kein großes Ziel,
kein Schloss, kein Gold, kein Heldenspiel.
Vielleicht beginnt es – ungelogen –
mit heißem Kaffee, frisch gezogen.
Drum schlürf ich ganz ohne Hast
an jedem Morgen, der noch passt.
Denn wer den Duft der Bohnen genießt,
hat schon den Tag begrüßt.
Und sollte einst mal jemand fragen:
„Was hat dein Leben reich gemacht?“
Dann lächle ich und antworte sacht:
„Die Liebe … und Kaffee vor acht.“
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