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Eins, zwei drei – du denkst es dir herbei

Die Deutsche Bahn ist nicht schlecht,
weil ich schlecht über sie denke – 
(auch wenn ich besser fahr,
wenn ich mir Kritik schenke).
Die Züge verspäten sich so und so,
egal ob ich contra bin oder pro.

Meine Einstellung verursacht keinen Verzug,
und wer das denkt, spielt mit Selbstbetrug.
Trotzdem ist die Bahn ganz ohne Komik,
Teil einer bestimmten Gesellschaftslogik.

Wichtig ist die Effizienz!
In jedem Bereich bis in die letzte Potenz.
Reserven sind die reine Verschwendung.
Für Puffer gibt es keine Verwendung.
Bei hoher Last führt die kleinste Störung
zur generellen Fahrplanzerstörung, 

Denkweisen bringen Institutionen hervor,
schaffen Strukturen, so wie ein Motor.
Die Vorstellungen stecken in allen Plänen,
dazu muss sie niemand ausdrücklich erwähnen.

Irgendwann wirkt die Struktur retour:
Jeder Einzelne wird zur Effizienz-Figur, 
vergisst, dass es mal das Versprechen gab, 
pünktlich anzukommen – an jedem Tag. 

Ein einzelner Mensch ist nicht die Gesellschaft.
Es genügt nicht, wenn einer anders denkt.
Strukturen sind träge und haben sehr viel Kraft,
bis man den Ursprung überdenkt.

Die Vorstellungen, die in einer Struktur agieren,
sind nicht in jedem Land gleich.
Unzuverlässigkeit kann implizieren,
Wortbruch und Makel in jedem Bereich.

Was geschieht, wenn wir Verlässlichkeit aufgeben?
Wenn ein gegebenes Wort nicht mehr gilt?
Wenn wir an dieser Stelle überlegen,
ergibt sich ein ganz anderes Bild. 

Worauf kann ich mich noch verlassen?
Ist es das, was uns die Bahn aufzeigt?
Diesen Zug dürfen wir nicht verpassen,
egal, wie die Welt darüber schweigt.


(c) 2.8.26 | Die Hofnärrin (Dieses Gedicht ist nicht in dem 2025 erschienen Gedichtband enthalten.)

Die Hofnärrin macht in diesem Gedicht aus einem alltäglichen Ärgernis wie der Deutschen Bahn eine gesellschaftliche Erkenntnis: Nicht unsere positive oder negative Einstellung verursacht unmittelbar die Welt um uns herum. Aber Denkweisen werden zu Strukturen und prägen wiederum unser Denken und Handeln. Am Ende wird aus einer vermeintlichen Kalenderweisheit eine drängende Frage unserer Zeit, auf die erst neue Antworten gefunden werden wollen.