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Gedanken einer 68jährigen

  • Beitrags-Kategorie:Dagmar Schulze / Miniatur
  • Lesedauer:5 Min. Lesedauer

Ich habe ein Problem! Und nachdem ich glaube, dass ganz viele Menschen, insbesondere Frauen das gleiche Problem haben, schreibe ich hier mal darüber. Zusammen können wir der Lösung vielleicht am ehesten näherkommen.

Nun höre ich schon manche sagen: „Weltwirtschaftskrise, Kriege, Klimakatastrophe…“ Ja, natürlich auch wichtig. Aber ich kann mich ja nicht um alles kümmern. Eins nach dem anderen. Mein Problem ist folgendes: „Wie schaffe ich es in hohem Alter gesund, fit und schön zu sterben?“

Fangen wir mal mit – schön – an. Unter Schönheit versteht jede Generation und überhaupt jede und jeder etwas anderes. Da habe ich schon die tollsten Ratschläge bekommen. Angefangen bei der Figur, grauen Haaren und dicken Balken über den Augen. Einigen wir uns auf glatte, jugendliche Haut. Helfen teure Cremes und Ampullen? Meine Tochter sagt nein. Sie muss das wissen. Sie ist Fachfrau der Pharmazie. Sie sagt, dass alles, was eine Haut tatsächlich verändern würde, Medizin ist. Alles andere bloße Kosmetik. Na ja, aber die Kosmetikindustrie boomt. Andererseits weiß ich selbst, wie schön ich mich mit einem frisch aufgelegten Make-up fühle. Ein paar Stunden später ist der Zauber dann schon wieder vorbei.

Bietet vielleicht die Schönheitschirurgie eine nachhaltige Alternative? Ich könnte meine Augenlider straffen lassen, die Lippen aufspritzen und die Gesichtshaut glattziehen lassen. Gut, ich habe schon Schauspielerinnen gesehen, bei denen nach so einer Behandlung jedes Lächeln maskenhaft wirkte. Andererseits hat mir eine Kosmetikerin schon in meinen jungen Jahren dringend geraten nicht so viel zu lachen und wenn schon, dann so dass die Augen nicht mit einbezogen werden. Das könne man üben, denn ich hätte jetzt schon erste sogenannte Lachfältchen. Vielleicht hätte ich auf sie hören sollen. Wie dem auch sei, einerseits habe ich kein Geld für den Schöheitschirurgen und andererseits bin ich mehr so der ängstliche Typ. Was wenn die OP nicht gelingt. Die Orangenhaut an den Oberschenkeln, da hätte ich nicht so viel Angst. Andererseits sieht das im Sarg kein Mensch. Vielleicht gibt es ja noch etwas ganz Neues, das ich nicht kenne. Schreiben Sie mir gerne Ihre Erfahrungen.

Nun zum Thema fit und gesund. Das scheint unmittelbar zusammen zu hängen. Die Lösung liegt auf der Hand. Schaun Sie mal bei Dr. Eckardt von Hirschhausen rein. Viel Sport, gesunde Ernährung, kein Alkohol und keine Zigaretten, möglichst wenig Zucker. Ist doch ganz einfach. Obwohl Liza Minnelli singt als Sally in dem Musical Cabaret, dass sie nie eine schönere Leiche als ihre Freundin Elsie gesehen habe. Die Leute sagten, sie hätte zu viel Likör und Pillen geschluckt. Aber Elsie hatte viel Spaß in ihrem kurzen Leben. Das waren natürlich andere Zeiten. Heute unterstützt mich beim Thema fit und gesund meine tolle Sportuhr. Ich habe mir quasi den SUV unter den Modellen ausgesucht. Zugegeben, schön ist das schwarze Monster nicht, aber man muss halt Kompromisse machen. Die Vorteile liegen auf der Hand bzw. am Arm. Sitze ich länger als eine Viertelstunde am Schreibtisch, ermuntert mich dieses Gerät aufzustehen und vielleicht ein paar Kniebeugen, Dehn- und Streckbewegungen zu absolvieren. Am Morgen sagt mir meine Uhr, ob ich gut geschlafen habe oder die Tiefschlafphasen verbessert werden müssen. Selbstverständlich war ich vorher noch nie so gut über meinen Blutdruck und die Herzfrequenz informiert. Minimum 10.000 Schritte sollte ich am Tag laufen. Wenn nicht, erinnert mich meine Uhr auch hier und ich drehe noch ein paar Runden um meinen Sofatisch.

Gleichzeitig kümmert sich dieses unglaubliche Gerät um meine Psyche. Früher habe ich ständig aufs Handy geschaut. Heute weiß man, wie schädlich das ist. Seit ich meine hässliche Traumuhr habe, ist das nicht mehr nötig. Alle Nachrichten ploppen auf der Uhr auf. Und wenn diese so schön blinkt, sieht sie auch gleich viel lustiger aus.

Nährstoffe können wir in Form von sehr teuren Säften zu uns nehmen. Foodwatch hat dafür den goldenen Windbeutel vergeben. Aber die wissen ja auch nicht alles. Also ich denke, beim Thema fit und gesund bin ich gut aufgestellt. Was meinen Sie?

Bis zu dieser denkwürdigen Begegnung neulich im Zug; neidisch schaue ich auf die formschöne Uhr meiner Mitreisenden gegenüber. Oval, nicht zu klein und nicht zu groß und ein sehr schönes Ziffernblatt. Irgendwann spreche ich sie an: „Sie tragen da eine sehr schöne Uhr.“ „Ja, sie gefällt mir auch“, antwortete sie, aber ohne rechte Begeisterung. Dann fragt sie mich nach meiner Gesundheitsuhr: „Ich finde ja Ihre Uhr so interessant. Ich überlege schon lange, mir auch so einen kleinen Computer fürs Handgelenk zuzulegen. Was kann denn die alles?“ Ich erkläre meinem Gegenüber die vielen Vorzüge meiner Uhr. Ihre Begeisterung wächst, ich sehe es deutlich. Ich frage sie ob sie meine Fitnessuhr mal probieren möchte. „Oh, ja sehr gerne.“ Wir tauschen also unsere Uhren und sind beide begeistert von der jeweils anderen. Mutig frage ich sie: „Sollen wir einfach tauschen?“ Sie schaut mich an und stimmt begeistert zu. Seitdem trage ich wieder eine Uhr, die mir bloß die Zeit anzeigt. Um meine Fitness kümmere ich mich jetzt wieder selbständig.

Bleibt noch ein klitzekleines Problem. Wie beschreibe ich eigentlich andere Frauen in meinem Alter? Sagt man zu einer Frau mit Achtundsechzig Jahren schon, dass sie eine ältere Frau ist? Und ab wann ist man eigentlich eine alte Frau? Mit 100 plus oder im Grunde nie, weil wir ja fit, gesund und schön bleiben, bis ins hohe Alter. Da guckt selbst der Tod dumm aus der Wäsche.

Bild: © Dagmar Schulze