Die Angst trägt ein Kleid aus schwarzem Samt.
Bleich ist ihr zerfurchtes Gesicht,
das leis vom Mond beschienen ist.
Am Saum des Kleides, eingefasst von einer Kette
die schwer zu ihren Füßen liegt,
geifern Zweifel, Neid und Gier um die Wette.
Dieses Spektakel erfüllt sie mit Leben,
Wangen und Lippen röten sich sanft,
das verkrampfte Herz beginnt zu beben.
Die Sonne streckt vorsichtig die Fühler aus,
rasch flüchten die sinistren Gestalten
tiefer in das finstere Höllenhaus.
Die Angst seufzt und verpasst den Moment
sich zurückzuziehen, sie denkt:
Es lockt mich das warme Licht.
Einmal kurz schnuppern, warum nicht?
Schnell bündelt die Sonne ihre Kraft,
durchbohrt den Brustkorb, das zuckende Herz.
Der Sonnenstrahl hat es geschafft.
Die Sonne oft lieblich und sanft,
doch dieses Mal von erbarmungsloser Kraft!
In das samtene Kleid sickert der besondere Saft.
Die roten Flecken sehen wie Blumen aus,
sie wuchern, gleich einer Rosenhecke
alles zu, und bilden eine dicke Decke.
Die Sonne steigt nun langsam auf,
steht ganz oben am Himmelszelt.
Und schickt ihr Siegerlächeln in die Welt.
(c) Christine Hagelkrüys